Die Fortschritte der Stahlindustrie in den letzten 300 Jahren haben Leben, Wirtschaft und Kultur mehr beeinflusst als je zuvor. Seit 1701 ist die Familie Zapp in diesen Entwicklungen verwurzelt. Ihr besonderes Interesse galt immer den Neuheiten. »Ausgehend von der Tradition, nachzugehen dem Neuen«, schrieb Engelberth Zapp senior 1730. Diese Freude an neuen Entwicklungen hat sich zu einem wesentlichen Philosophiebestandteil des Unternehmens entwickelt.
Eisenerz mit Holzkohle zum Schmelzen zu bringen und Wasserkraft, um den Hammer anzutreiben: Deswegen war Hermann Zapp nach Ründeroth gekommen, einem kleinen Ort im Tal der Leppe. Fünf Generationen lang, von 1701 bis 1869, produzierte die Familie hier ihren Stahl. Zuerst in einem Eisenhammer als Handwerksbetrieb. Sogar Krupp kaufte seinen Raffinierstahl bei Zapp. Später wurde die Produktion durch den damals hochmodernen Puddelofen industrialisiert. Wieder kam Krupp zu Zapp, diesmal um das Puddeln zu studieren. Die erste große Wirtschaftskrise in Deutschland, 1857, und eine finanzielle Schieflage führten zum Verkauf des Betriebes.
Doch die Familie blieb dem Stahl treu.
| 1701 | Hermann Zapp erwirbt einen Eisenhammer und gründet ein Gewerbe |
| 1887 | Robert Zapp erhält exklusiv die Vertriebsrechte für Krupp-Werkzeugstahl |
| 1926 | Übernahme von Gesellschaftsanteilen der Firma Stahlwerk Ergste |
1871 verließ Robert Zapp Ründeroth und gründete in Düsseldorf ein Stahlhandelsunternehmen. Er konzentrierte sich von Anfang an auf Spezialstähle. Die besten kamen aus dem Geburtsland der industriellen Revolution: England. Robert Zapp hatte auf der Insel das Bessemer-Verfahren studiert. Er hatte ein Bild davon, wie die Zukunft aussah. Er nutzte seine Kenntnisse und verkaufte die neuen Stähle europaweit. Dann, 1887, die Entscheidung von Krupp. Alfred Krupp überließ den Alleinvertrieb für seine neuen Werkzeugstähle der Europaorganisation von Robert Zapp. Die Krupps sahen sich als Entwickler und Produzenten. Doch ihre neuen Stahlsorten waren erklärungsbedürftig. Die Wettbewerbsvorteile, die sich daraus ergaben, verlangten eine intensive Zusammenarbeit mit den Werkzeugmachern. Hauptaufgabe: neue Anwendungen entwickeln. Alfred Krupp und seine Nachfolger sahen deshalb in Robert Zapp den am besten geeigneten Vertriebspartner. Im Laufe der Zeit wurde das Sortiment immer breiter. Ab 1913 führte die Vertriebsorganisation den neuen Kruppstahl Nirosta ein, ab 1927 das neue Hartmetall Widia. Genauso wichtig war aber ein ganz anderes Ereignis in dieser Zeit. Die Firma Robert Zapp übernahm 1926 das Stahlwerk Ergste: ein Pionier in der Kaltumformung von nichtrostendem Stahl in Drahtform.
| 1913-1945 | Markteinführung der Krupp-Werkstoffe Nirosta und Widia in Europa |
| 1955 | Einführung von Hightech-, Nickel- und Kobaltbasiswerkstoffen |
| 1970 | Aufbau Zentrallager und Servicebetrieb in Ratingen |
70 Jahre lang gingen beide Unternehmen weitgehend unabhängig voneinander ihren eigenen Geschäften nach. In der Nachkriegszeit konzentrierte sich das Handelshaus Robert Zapp auf die neuartigen Hochleistungswerkstoffe und baute sein weitverzweigtes Filialnetz aus. Kundennähe als Erfolgsfaktor. Es führte die neuen Hightech-, Nickel- und Kobaltbasiswerkstoffe ein. Neue Titanwerkstoffe eröffneten die Zusammenarbeit mit der Luft- und Raumfahrtindustrie. Nach einer umfassenden Reorganisation firmierte das Unternehmen jetzt unter Robert Zapp Werkstofftechnik und erhielt die Vertriebsrechte der pulvermetallurgischen Hochleistungswerkstoffe CPM®, später kamen die Werkstoffe der ASP®2000-Serie hinzu. Das Stahlwerk Ergste dagegen verlagerte in dieser Zeit seine Produktion mehr und mehr zu den hochlegierten und neuen Spezialstählen und baute seine Sonderstellung unter den Ziehereien und Kaltwalzwerken ständig aus. In den sechziger Jahren dann die entscheidende strategische Neuausrichtung: Trennung von den alten Stahlsorten, volle Konzentration auf den innovativen Bereich der rost-, säure- und hitzebeständigen Stähle. Doch auch hier mussten die Wettbewerbsvorteile kundenindividuell abgeleitet werden. Das ging nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Kundenberatung und Technik. Denn die Ansprüche und das Spezialwissen waren inzwischen erheblich gestiegen. Deshalb wurde die Beratung zentral in Ergste organisiert. 1991 kaufte Ergste das Stahlwerk Westig in Unna hinzu. Zum einen, weil sich die Produktpaletten ergänzten, zum anderen konnte durch Westig die Internationalisierung verbessert werden. 1995 schlossen sich die beiden Unternehmen dann zum Stahlwerk Ergste Westig zusammen: als ein Unternehmen der Zapp Gruppe. Doch die Robert Zapp Werkstofftechnik und das Stahlwerk Ergste Westig waren nach wie vor strategisch und operativ unabhängig.
| 1982 | Robert Zapp Werkstofftechnik erhält Vertriebsrechte der pulvermetallurgischen Hochleistungswerkstoffreihe CPM ® |
| 1991 | Übernahme der Westig GmbH |
| 1996 | Erste Produktionsstätte in den USA (Summerville) |
»Um dem Neuen nachzugehen«, wie Engelberth Zapp senior geschrieben hatte. Neu war: Die Welt hatte sich verändert. Die Mauer zwischen Ost und West war gefallen. Ein neues Europa entstand. Gleichzeitig hatte die Informationstechnologie die grenzüberschreitende Arbeitsteilung beschleunigt. Immer mehr, insbesondere Großkunden, expandierten, fusionierten oder verlagerten Geschäftsteile ins europäische Ausland und darüber hinaus. Für die Unternehmen der Zapp Gruppe hieß das: Nur eine nachhaltige Internationalisierung konnte das kontinuierliche Wachstum aus eigener Kraft sichern. In den ereignisreichen Folgejahren wurden Produktionswerke in Summerville und Dartmouth, USA, errichtet, dem zweitwichtigsten Markt nach Europa. Die Unternehmen der Gruppe wurden außerdem in eine familienkontrollierte Aktiengesellschaft zusammengeführt. Doch entscheidend für das operative Geschäft war die Ausrichtung der Organisation auf eine neue, schnelle Welt.
| 1998 | Die Unternehmen der Zapp-Gruppe werden unter der Zapp AG vereint |
| 2000 | Zweite Produktionsstätte in den USA (Dartmouth) |
| 2005 | Gründung der Zapp Medical Alloys GmbH, neues Service Center für Nickelbasis-Hochleistungslegierung |
| 2006 | Erwerb Profile Wire LLC Houston/Texas |
| 2007 | Gründung Service Center East Coast USA |
| 2008 | Fertigstellung Service Center China, Erwerb Ferd. Wagner, Pforzheim, Erwerb Euro-Titan, Solingen |